Neues Hospiz eröffnet

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Auf dem Gelände der DRK Kliniken Berlin | Köpenick, mitten im Grünen, wurde am 26. April ein neues Hospiz für 16 Gäste, deren letzter Weg mit liebevoller Fürsorge und medizinischer Hilfe begleitet wird, eröffnet. Insgesamt wurden mehr als drei Millionen Euro durch die DRK Kliniken Berlin und die DRK Schwesternschaft Berlin investiert. Der Initiator und Mitgründer des Hospizvereins, Chefarzt Prof. Dr. med. Stefan Kahl, gab dem DRK Magazin Berlin ein Interview, in dem er Sinn und Zweck des Hospizbaus erläutert. Und: Das Hospiz ist ein offenes Haus. Wenn Sie sich für die Arbeit und das Leistungsangebot interessieren, können Sie die Einrichtung jederzeit besuchen.


Das Wort „Hospiz“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „hospitium“ ab und bedeutet übersetzt Herberge. Sie planen eine solche Herberge in Köpenick. Warum? Und wem möchten Sie damit helfen?

Stefan Kahl: Viele Patienten, die am Lebensende stehen und die leider keine Erwartung auf Heilung mehr haben, finden relativ wenig Angebote in Berlin und besonders hier in Köpenick. Das sind zum Beispiel Patienten, die an Krebs erkrankt sind oder an schweren kardiologischen Erkrankungen leiden. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, diesen Patienten zu helfen. Deshalb bauen wir ein Hospiz auf unserem Klinikgelände in Köpenick an der Salvador-Allende-Straße 2-8.


Welche Patienten werden in den DRK Kliniken Berlin-Köpenick behandelt, für die ein Hospiz-Platz sinnvoll sein könnte?

Stefan Kahl: Nicht nur in meiner Klinik, in den gesamten DRK Kliniken Berlin-Köpenick werden viele Krebspatienten medizinisch versorgt, zum Beispiel Patientinnen, die am Mammakarzinom erkrankt sind oder Patienten, die an Darm-, Magen-, Pankreas- oder anderen Krebsarten leiden. Die Krebsmedizin und die Behandlung dieser Patienten ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal unserer Klinik. Außerdem werden auch in allen anderen Kliniken unseres Hauses – stellvertretend nenne ich ausdrücklich die Kardiologie – unheilbar kranke Patienten behandelt, für die eine Betreuung im gewohnten häuslichen Umfeld nicht mehr möglich ist.


Worum geht es nun bei der geplanten Hospizarbeit?

Stefan Kahl: Ein Hospiz bedeutet, dass wir Patienten, die sich krankheitsbedingt in der Endphase ihres Lebens befinden, eine lebenswürdige Umgebung schaffen. Ein Hospiz ist weder ein Krankenhaus noch ein Pflegewohnheim. In unserem Hospiz, das voraussichtlich Ende 2016 fertig sein wird, werden 16 Bewohner ihren eigenen Lebensraum finden, in dem sie mit pflegerischer und ambulanter ärztlicher Begleitung die Zeit bis zu ihrem Lebensende verbringen können. Wir möchten die letzte „Wohnung“ der schwerkranken Menschen angenehm gestalten, mit großen offenen Türen, durch die wirklich jeder Bewohner ungehindert in den Garten gelangen kann. Wir bieten Wohnen im besonders betreuten Umfeld an. Die Bewohner können auch Gäste empfangen. Im Hospiz lebt man in einer Gemeinschaft. Es wird gemeinsame Aufenthaltsräume geben, auch einen Ort der stillen Abschiednahme. Examinierte Pflegekräfte, ambulant tätige Ärzte und Sozialarbeiter begleiten die Bewohner. Den Bewohnern wird medizinisch und pflegerisch geholfen, wenn sie unter vielfältigen krankheitsbedingten Symptomen, wie Erbrechen, Übelkeit, Schmerzen oder Luftnot leiden. Das Personal ist dafür speziell geschult. Die Angehörigen sind oft nicht in der Lage, eine solche Betreuung zu gewährleisten. Manche Patienten möchten ihren Anverwandten zudem eine solche Bürde nicht auflasten.


Die Zahl der stationären Hospize stieg in Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium innerhalb von 15 Jahren von 30 (im Jahr 1996) auf 195 (im Jahr 2011), darunter zehn Kinderhospize. Wie kommt es, dass der Bedarf zunimmt?

Stefan Kahl: Zum einen erkranken immer mehr Menschen an Krebs, andererseits sind die medizinischen Möglichkeiten so gut, dass viele Menschen mit ihren Erkrankungen immer älter werden. Für viele Schwerstkranke kann das Hospiz ein guter Ort für die letzte Lebensphase sein.


Sie behandeln als Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie, auch schwer krebskranke Patienten. Welche Erfahrungen machen Sie?

Stefan Kahl: Unsere Erfahrung ist, dass wir in der Klinik ein hervorragendes ärztliches und pflegerisches Leistungsangebot vorhalten, wenn wir die Erkrankungen der Patienten diagnostizieren und behandeln wollen, dass es aber beispielsweise im Endstadium einer Tumorerkrankung – wenn medizinische Angebote nicht mehr vorhanden oder nicht mehr sinnvoll sind – hier in Köpenick nicht ausreichend Angebote gibt. Zuhause sind viele unserer Patienten oftmals unzureichend oder gar nicht versorgt, sie haben Angst und sind einsam. Diesen Betroffenen möchten wir mit unserem Hospiz helfen.


Sie haben schon einige Benefizkonzerte organisiert, um das Hospiz auf den Weg zu bringen. Wie steht es denn um die Finanzierung? Brauchen Sie noch Unterstützung?

Stefan Kahl: Wir brauchen natürlich noch Unterstützung! Finanziert wird ein Hospizplatz zum größten Teil – aber nicht vollständig – von den Krankenkassen der Bewohner, aber eben auch aus Spenden. Jede Spende – und sei sie noch so klein – ist herzlich willkommen.


Das Hospiz Köpenick finden Sie unter www.hospiz-koepenick.de

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Interview: DRK Kliniken Berlin | Foto Professor Dr. med. Stefan Kahl: Uwe Baumann

DRK Kliniken Berlin | Köpenick, Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie
Chefarzt Prof. Dr. med. Stefan Kahl, E-Mail: s.kahl@drk-kliniken-berlin.de
Telefon: (030) 30 35-3319, Salvador-Allende-Straße 2-8, 12559 Berlin

Magazin DRK Kliniken Berlin (Printausgabe)
Redaktion: Tanja Kotlorz, Dayala Lang, Oana Popa
Herausgeber: Deutsches Rotes Kreuz Schwesternschaft Berlin e.V.
Mozartstraße 37, 12247 Berlin
www.drk-kliniken-berlin.de
www.drkschwesternschaftberlin.de