Inklusion

Es ist nicht Pflicht oder herausgehobene Besonderheit unseres Kindergartens, inklusive Pädagogik zu praktizieren. Es ist schlicht eine Haltung, die aus unseren christlichen Auffassungen, aus unserer langen Tradition und gesundem Menschenverstand resultiert. Wir praktizieren inklusive Pädagogik, deren wesentliches Prinzip die Wertschätzung der Vielfalt in der Bildung und Erziehung ist (lat. includere: beinhalten, einschließen), mit dem Ziel, den Kindergarten für alle Kinder zu einer anregenden, fördernden und herausfordernden Lernwerkstatt zu gestalten. Unsere Kinder können hier aktiv, selbsttätig und entdeckend lernen und ihrem eigenen Lernrhythmus folgen. Kinder mit erhöhtem und wesentlich erhöhtem Förderbedarf werden in die Kindergruppe aufgenommen und vor allem von einer Integrationspädagogin (zur Zeit arbeiten in unserem Kindergarten drei ausgebildete Integrationserzieherinnen) begleitet. Der Förderbedarf wird vom örtlich zuständigen Jugendamt und den bezirklichen Fachstellen (zum Beispiel Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, Risikoberatungsstelle, Beratungsstellen für hör-, seh- und sprachbehinderte Kinder) festgestellt. Grundbedingung für die Förderung des Lernens sind Zuneigung und Resonanz: Unsere Kinder wollen erfahren, dass sie so wie sie sind, geliebt werden. Sie brauchen eine Antwort auf ihre Versuche bei der Aneignung der Welt.

 

Forscherkindergarten – der Ablauf des entdeckenden Lernens

Kinder sind geborene »Immerlerner«, Wissenshunger, Neugier und Forschergeist bringen sie reichlich mit – diese gilt es zu befördern. Wir sorgen durch die Bildung von kleinen Lerngruppen, der Schaffung anregungsreicher innen- und Außenräume für zahlreiche Eigenaktivitäten sowie Wahrnehmung, Interesse und Aufmerksamkeit gegenüber dem Kind für positive Lernsituationen. Die tastenden Versuche der Kinder sind Lernprozesse, die trotz individueller Unterschiede und Ausprägungen folgendem grundlegendem Muster folgen:

  • Am Anfang steht Bekanntes, eine Art Ausgangsposition für alles Hantieren und Experimentieren. Von dort kommen auch die ersten Fragen, die in weiteren Schritten erforscht werden.
  • Nach dem Staunen und Sich-Wundern wird Interesse geweckt. Es entsteht eine Ahnung, dass es etwas Neues, Unbekanntes zu entdecken gibt. Dem muss auf den Grund gegangen werden.
  • Es entstehen erste Forschungs- und Lernideen, wie »es gehen könnte«. Kinder  stützen sich dabei auf das, was sie schon wissen, werfen ihre Theorien aber auch bedingungslos über Bord, wenn sich diese als falsch erweisen.
  • Die eigenen Fragen und Forschungsideen entstehen meist zeitgleich. Das Interesse verdichtet sich zu Fragen, die Kinder zunächst an sich selbst richten, den zu erforschenden Gegenstand oder an andere.
  • Kinder handeln jetzt, indem sie ausprobieren, experimentieren, testen. Neue Fragen entstehen – es ist ein vorübergehendes Hin und Her und der Versuch, Fragen und Weg in Einklang zu bringen. Der Prozess entwickelt Eigendynamik.
  • Fehler führen zu Richtungsänderungen, zu neuen Fragen und nochmaligem Probieren. Kinder gehen hier das Risiko ein, vorerst zu scheitern.
  • Am (vorläufigen) Ende stehen eine wunderbare Idee, eine Erkenntnis, ein neues »Bauprojekt« vielleicht oder jede Menge neuer Fragen, die in weitere Lernprozesse münden. Welche davon wieder aufgegriffen werden, entscheidet das Kind.
  • Dokumentationen und Präsentationen runden den Lernweg ab. Gelerntes will gezeigt werden, der Austausch mit anderen wird gesucht.

 

 

Entdeckungsreise

Wir wecken und erhalten die Neugier unserer Kinder und unsere eigene, indem wir uns selbst als Lernende begreifen und mit den Kindern lernen; Staun-Anlässe nutzen, zum Forschen und Entdecken ermutigen und tastende Versuche anregen. Wir lassen unsere Kinder voneinander lernen und sehen Fehler oder Risiken nicht als »Behinderer«, sondern als Verbündete des Lernens an. Gemeinsam suchen wir Lernorte in der Natur und dem urbanen Umfeld, wir laden für bestimmte Themen Experten (Bildende Künstler, Musiker, Medienentwickler, Polizisten, Feuerwehrleute) in den Kindergarten ein und gehen zusammen auf Entdeckungsreise.

 

Bildung von Lerngruppen

Nach intensiver Beobachtung von einzelnen Kindern und/oder Integrationskindern können kleine Lerngruppen gebildet werden, in denen die Kinder in bestimmten Bildungsbereichen besondere Unterstützung erfahren. Innerhalb dieser temporären Gruppen – meist nicht mehr als zwei oder drei Kinder – ist eine gezielte Förderung besser möglich als in großen Gruppen und die Pädagogin kann einen fokusierten Blick auf das einzelne Kind haben.